Noch während der Rückfahrt von unserem Roadtrip begann ich darüber zu reflektieren, was uns so stresste.
Zuallererst ärgerte es mich, dass Lazy weiterhin schwieriges Verhalten zeigte, obwohl wir so viel unternahmen, damit sie zur Ruhe kommen konnte. Für mich bedeutet Campen Freiheit. Frei entscheiden zu können, wohin mich ein Weg führt und wo ich den nächsten Tag, die nächste Nacht verbringen möchte. Mit Leichtigkeit neue Orte entdecken können und ohne Zwang und Muss in den Tag hineinleben dürfen. Das Gefühl alles vorab genaustens planen zu müssen, deckte sich damit nicht. Auch das Verbarrikadieren hinter einem blickdichten Sichtschutz widerspricht diesem Drang nach Freiheit.
Lazys Verhalten nahm mir die Freude und die Erholung. Dieses Gefühl belastete unsere Beziehung. Musste ich mir von meinem Hund meinen Urlaub diktieren lassen?
Da Aufgeben für uns keine Option war, dachte ich gründlich darüber nach, worin eigentlich unser Problem lag. Zum ersten Mal kümmerte ich mich dabei nicht nur um Lazys Bedürfnisse. Auch Markus und ich sprachen darüber, was wir uns eigentlich unter einem erholsamen Campingurlaub vorstellen. Dabei kamen spannende Erkenntnisse zum Vorschein, mit denen ich erste Lösungsansätze finden konnte.
Der nächste Urlaub musste wegen meiner beruflichen Verpflichtungen in den Ferien stattfinden. In Nordrhein-Westfalen starten die Ferien meistens vor den anderen Bundesländern, entsprechend war klar, dass wir direkt zu Beginn fahren würden. Aber wie wollten wir nun den Urlaub gestalten?
Landschaft statt Städte
Mir fiel auf, dass ich die Route unseres Roadtrips entlang von Städten geplant hatte. Meine ursprüngliche Planung enthielt Besuche der Städte Freiburg, Passau und Rothenburg ob der Tauber. Interessanterweise vermerkte ich dabei, welche Parks wir dort aufsuchen könnten.
Im Endeffekt haben wir keine der Städte besucht. Nicht, weil sie nicht sehenswert wären. Sondern weil wir keine Stadtmenschen sind und auch unsere Hündin in der Natur besser aufgehoben ist.
Da sich hier unsere Bedürfnisse decken, schauten wir bei der Auswahl unseres Reiseziels vermehrt nach Regionen und Landschaften.
Muss es immer ein Campingplatz sein?
Unser Nugget verfügt über eine Chemietoilette. Auch eine Handbrause können wir anschließen und uns kalt abbrausen. Allerdings fasst unser Wassertank 45 Liter. Damit müssen wir kochen, spülen und Zähne putzen bis wir wieder die Möglichkeit haben, Trinkwasser aufzufüllen. Folglich sind wir nur begrenzt autark und auf sanitäre Einrichtungen oder die Möglichkeit zur Ver- und Entsorgung angewiesen. Daher entschieden wir uns in der Vergangenheit für Campingplätze, die diese Infrastruktur bieten.
Insbesondere auf unserem letzten Stopp habe ich bemerkt, dass nicht nur Lazy die Geräuschkulisse nur schwer aushalten kann. Auch mich stört es, wenn Gewusel um uns herum ist und meine Toleranzgrenze ist da leider sehr gering. Deshalb suchte ich nach alternativen Übernachtungsmöglichkeiten, die Möglichkeiten zum Duschen bieten. Fündig wurde ich bei Anbietern, die Stellplätze auf den Grundstücken von Privatmenschen anbieten. Einige bieten nur eine grüne Wiese an, andere auch sanitäre Anlagen. Außerdem gibt es auch kleinere Wohnmobilstellplätze, die Duschen und Toiletten in der Nähe haben. Apps, in denen diese Angebote gelistet sind, gibt es viele.
Ruhig und naturnah bedeutet nicht langweilig
Wenn ich unterwegs bin, dann möchte ich auch unterwegs sein. Ein Urlaub, in dem wir den ganzen Tag am oder im Camper verbringen, ist für meinen Mann und mich anstrengend. Wir starten gerne langsam in den Tag und lassen ihn auch gerne entspannt in der Hängematte ausklingen. Mal ein Pausentag ist auch in Ordnung, aber die meiste Zeit möchten wir tagsüber etwas unternehmen und uns bewegen. Das können normale Wanderungen, aber auch Erlebnispfade sein. Bei Strandbesuchen kommen wir ebenfalls alle auf unsere Kosten. Viele Freilichtmuseen erlauben die Mitnahme von Hunden. Man findet naturnahe Ausflugsmöglichkeiten, wenn man danach schaut.
Das Wetter: unser Problem mit Hitze
Sowohl mein Mann als auch unsere Hündin sind sehr hitzeempfindlich. Temperaturen über 25 °C können da schnell zu schlechter Laune führen. Ich hingegen komme bei Wärme erst auf Betriebstemperatur und mir machen hohe Temperaturen nichts aus.
Ein weiteres Problem sind die Gewitter, die oft auf Hitze folgen. Sie bereiten Lazy Angst. Wo wir nun also unsere Wohlfühltemperatur ausgelotet haben, können wir uns auf Gebiete konzentrieren, die erfahrungsgemäß in diesem Bereich liegen. Dabei spielt auch die Jahreszeit eine Rolle, denn während es im Süden Europas im Sommer wärmer als 25°C ist, kommen wir dort im Herbst und Frühjahr durchaus auf unsere Kosten.
Entsprechend kann man die Reisezeiten und die Reiseziele besser aufeinander abstimmen. Zwei Wochen Dauerregen sind natürlich Mist, aber wir haben ja grundsätzlich die Möglichkeit weiterzuziehen. Zwischendurch mal etwas Feuchtigkeit schadet nicht und hält die Natur grün. Gegen den Geruch und den Dreck, den ein nasser Hund in den Camper bringt hilft uns ein Hundebademantel. Lazy liebt ihren.
Bei der Wahl unserer Reiseziele berücksichtigen wir also die klimatischen Bedingungen entsprechend der Reisezeit. Bei der Auseinandersetzung damit, wurde mein Horizont nochmal erweitert und einige Länder und Gebiete, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte, sind als potenzielle Ziele dazu gekommen.
Ab hier privat: Rückzug in den Camper
Zwar liegt dies auch an den hohen Temperaturen, aber wir nutzen den Campingbus tagsüber nicht als Rückzugsort. Obwohl ich dies von Anfang an etabliert und geübt habe, boten wir Lazy bis hierher den Bus selten an, wenn es ihr draußen zu viel wurde. Eigenständig kann sie sich nicht zurückziehen, da die Leine sie daran hindert.
Eine weitere Einschränkung empfinde ich, wenn wir nicht Essengehen können, weil Lazy sich nicht entspannen kann im Restaurant und auch dort gerne mal nach vorne geht. Könnte sie sich im Camper bei angemessener Klimatisierung zurückziehen und dort ruhen, bis wir wieder kommen, so könnten wir wenigstens in nahegelegene Restaurants gehen und entspannt essen ohne planen, einkaufen, kochen und spülen zu müssen.
Ich habe ein kleines mobiles Klimagerät gekauft. Von der Wirkung bin ich noch nicht hundertprozentig überzeugt. Wir haben da noch keine endgültige Lösung, schauen uns aber um. Außerdem habe ich mir vorgenommen, mit Lazy vermehrt Biergartenbesuche zu üben. Ich habe schon Trainingsideen, die ich ab dem kommenden Frühjahr umsetzen möchte und hoffe, dass Lazy sich darauf einlassen kann.
Übung macht den Meister und die Reise mit leichtem Gepäck
Als wir uns für die Anschaffung des Nuggets entschieden haben, war der Plan, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben eine Auszeit zu nehmen und weg zu fahren.
Seitdem wir den Nugget haben, fuhren wir einige Male für 1 – 2 Wochen in den Urlaub. Aber einen kurzfristigen Wochenendtripp machten wir bis dato dreimal in drei Jahren.
In jedem Urlaub brauchen wir anfangs Zeit, bis wir eine Routine entwickelt haben. Zwar funktionieren Markus und ich beim Auf- und Abbau gut als Team. Aber insbesondere Platzwechsel und das Anfahren von Zwischenstopps sind für uns große Herausforderungen, die gerne mal im Streit enden. Für Lazy ist Camping jedes Mal eine Veränderung, auf die sie sich erstmal einstellen muss und was sie sehr fordert. Und dann wollen wir auch noch Sachen unternehmen und es kommen andere Hunde vorbei. Das ist eine Reizüberflutung, die sie dann mit Aggressionsverhalten kompensiert.
Die Lösung liegt eigentlich recht nahe und so habe ich entschieden, dass wir regelmäßig übers Wochenende kleine Touren machen. Meistens sind Lazy und ich alleine unterwegs, ich habe aber die Vermutung, wenn wir noch häufiger so gut gelaunt nach Hause kommen, dann ist Markus auch bald schon häufiger mit an Bord (aber pssst, verratet es ihm nicht…). Nach den ersten Touren merke ich schon, dass Lazy die Abläufe nun kennt und sich darauf viel besser einlassen und so entspannen kann.
Auf längeren Touren haben wir das Zelt dabei und einen Teppich. Der Auf- und Abbau ist dadurch langwieriger. Aber auch ein Zwischenstopp gestaltet sich komplizierter, weil die Nutzung der Küche und der Toilette dadurch eingeschränkt ist. Auf kurzen Touren und im Sommer benötigen wir nicht zwingend ein Zelt. Allerdings bietet es uns Sichtschutz und Rückzug. Deshalb haben wir uns Seitenteile für unsere Markise besorgt, die ein sehr kleines Packmaß und einen ähnlichen Effekt wie das Zelt haben.
In Alternativen denken
Nachdem klar war, dass die bisherige Art des Campens so für uns nicht passt, befürchteten wir, es aufgeben zu müssen. Zuhause haben wir auch deshalb Ruhe, weil Lazy sich im Haus und im Garten frei bewegen kann. Zum einen muss sie am Campingplatz angeleint sein. Außerdem steht man sich im Camper auch mal auf den Füßen. Zuhause haben wir so viel Platz, dass wir uns weiträumig aus dem Weg gehen können. Uns beschlich also das Gefühl, dass es vielleicht besser sein könnte, Urlaub in einem Ferienhaus zu machen. Wirklich verabschieden konnte ich mich nicht von der Idee mit dem Camper unterwegs zu sein. Zudem fahren wir ungerne lange Strecken, sondern legen gerne Zwischenstopps ein, denn der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.
Und so kamen wir auf die Idee einen kombinierten Urlaub zu machen. Im Sommer 2023 mieteten wir uns für eine Woche ein Ferienhaus auf Rügen. Für die etwa sechsstündige Fahrt nahmen wir uns zwei Zwischenstopps vor, bei denen wir im Camper übernachteten. Wir nutzten dafür die Möglichkeit bei Privatpersonen im Garten zu campen. Auf einem der beiden Stationen blieben wir zwei Nächte bei einer Familie, zu der zwei Irische Wolfshunde gehören. Der Platz war liebevoll hergerichtet und komplett umzäunt, so dass Lazy frei laufen konnte. Leider war sie von den beiden Hunden so eingeschüchtert, dass sie entweder im Fußraum des Busses oder unter dem Bus lag, wenn die beiden im Garten waren. Dabei waren die zwei wirklich lieb. Markus und ich wurden zwar zur Dusche geführt und auch wieder in Empfang genommen. Aber niemals war das bedrohlich. Lazy nahm das anders wahr, weshalb die Vermieter einen Sichtschutz aufstellten. Durch die nette Geste konnte sie dann entspannen.
In unserem Ferienhaus auf Rügen angekommen, unternahmen wir mit dem Camper Ausflüge und nutzten ihn beispielsweise, um das Essen von der Imbissbude darin zu genießen. In dieser Kombination hatten wir gemeinsam eine schöne und erholsame Zeit.
Zwar fuhren wir auf dem Rückweg die gesamte Strecke an einem Tag zurück. Dies lag aber daran, dass überall Hitzegewitter vorausgesagt waren. Wir fanden keinen Ort, an dem wir übernachten konnten, wo es nicht heftig gewittern und regnen sollte.
Trotzdem kamen wir erholt und glücklich von unserer Reise zurück. Wir waren einer für uns passenden Lösung für entspannte Reisen sehr viel näher gekommen.
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